Neues & altes aus Holland


Pappbecher, Wasser & Mitbewohner
Juli 29, 2007, 11:30
Gespeichert unter: Hausgemeinschaft, Land, Leute & Sprache

Ok, dass Deutschland in Sachen Umweltschutz global gesehen nicht gerade ganz hinten liegt war mir klar. Aber dass unser kleines Nachbarlande in diesem Punkt doch so unterschiedlich ist, war mir nicht klar.

Oft werde ich hier verstaendnislos angesehen, wenn ich zB statt eines Einwegpappbechers, eine Kaffeetasse unter den firmeneigenen Kaffeevollautomaten schiebe. Dass muss man sich mal vorstellen:

Es gibt in der Firma einen Kaffeeautomaten & einen Wasserspender. Fuer den Kaffee gibt es besagte Pappbecher, fuer’s Wasser Plastikbecher. Pro Pause (deren gibt es taegl.3) wird normalerweise jeweils ein Becher gezogen. Gerne auch noch mal vor der Arbeit und abends nach der Arbeit. Unglaublich. Den Jahresverbrauch will ich jetzt mal nicht errechnen.

Im Supermarkt ist gerne jede Paprika einzeln eingeschweisst, Umweltpapier sucht man vergeblich und ganz allgemein erstickt man hier in Verpackungsmuell.

Doch das absolute Highlight lieferte gestern mein Mitbewohner Gido. Wie so oft glueht in unserem Ofen seine Pizza vor sich hin. Und auch wie so oft wunderte ich mich in meinem Zimmer, wieso ich seit 10 min den Wasserhahn in unserer Kueche laufen hoere. Diesmal wollte ich der Sache auf den Grund gehen und betrat die Kueche. Von Gido war nix zu sehen, aber in der Spuele befand sich sein Pizzateller unter laufendem heissem Wasser. Dass der Niederlaender an sich sein Essen gerne auf heissen Tellern zu sich nimmt, war mir schon bewusst, schliesslich kann man hier ueberall Tellerwaermer erstehen. Aber das?

Noch an ein Versehen glaubend klopfte ich also an Gidos Zimmertuer und teilte ihm freundlich und in meinem besten Niederlaendisch mit, dass er (wie einst die Pizza im Ofen) diesmal seinen Teller unter fliessendem Wasser vergessen haette…

Tja was soll ich sagen….Die Antwort war:“das mach ich immer so, ich will doch von einem heissen Teller essen“

Da fehlen mir doch echt die Worte.

 

Aktuelle CD: Type O Negative/Dead again



Blutbengel, Bluetengel uvm.
Juli 27, 2007, 9:54
Gespeichert unter: Job, Land, Leute & Sprache, Musik

Michelle und ich sind inzwischen dazu uebergegangen die Zeit beim taeglichen Leimen, Schraeubchen drehen und montieren, so sinnbringend wie moeglich zu verbringen, naemlich mit Sprachuebungen. Bisher sprachen wir beide untereinander Englisch, koennen wir beide gut und macht keinen Stress. Nachdem ihr Deutschlehrer ihr fuers naechste Schuljahr mit fiesen Noten droht und mein Niederlaendisch nun auch noch eher zu wuenschen uebrig laesst, spricht sie nun also Deutsch und ich Niederlaendisch. Klar. Sprachtandem.

Klappt auch soweit gut und bringt uns natuerlich auch nonstop zum Lachen. Auch klar.

Besonders die jeweilige Aussprache…..

Gestern lernte Michelle die wichtigen Worte „bloed“ und „doof“…. Nach einigen Beispielsaetzen fragte sie nach dem deutschen Wort „Bloedengel“. Ich dachte sie denkt sich neue deutsche Schimpfworte aus und erklaerte also mit mildem Laecheln und voellig ahnungslos, dass das nun wirklich kein boeses Wort sei, Engel = Angel usw.

Ok, ich geb ja zu….ich stand auf dem Schlauch. Erst als sie fragte, ob ich auch mal mit Bloedengel gespielt haette hab auch ich kapiert, dass sie die Kollegen von Blutengel meinte. Naja. Es gibt glaub ich nur eine Band, die noch mehr lustige Namen hat …und die kommt aus Oesterreich….

Aktuelle CD: The White Stripes: Icky Thump

 

Aktuelles Buch: Pride & Prejudice



Heimkehr
Juli 26, 2007, 9:21
Gespeichert unter: Leben, dies und das

So. Nun habe ich auch den ersten Urlaub in der alten“Heimat“ verbracht. Abgesehen davon, dass es eigentlich kein Urlaub war, haette ich nicht gedacht, dass Harmelen so schnell meine neue „Heimat“wird. Ganz selbstverstaendlich verkuendete ich am Sonntag, dass ich nun wieder „heim fahre“.

Na dass zeigt mir doch, dass ich hier ziemlich schnell angekommen und heimisch geworden bin. Schoen war’s natuerlich in Motorcity, schoener ist es aber irgendwie hier und vor allen Dingen fuehl ich mich hier wesentlich wohler!

Es gibt zwar einige Menschen, die ich hier durchaus sehr vermisse (und einen Hund), aber alles in allem sind mir in den 2 Tagen doch mehr Menschen begegnet, die ich ganz sicher nicht vermisse und ich bin sehr froh selbigen nicht mehr jeden Tag begegnen zu muessen und mir die immer gleichen Geschichten anhoeren zu muessen.

Vermutlich wurde die Stadt einfach zu klein fuer mich.

Allerdings durfte ich auch den kleinen Motorcity-Neubuerger kennenlernen und den wuerde ich doch gern oefter sehen, schliesslich kann man dem kleinen Laslo noch beim Wachsen zu sehen :)

Aktuelles Buch: Jane Austen: Pride and Prejudice

Aktuelle CD: Captain Future Soundtrack



Out?
Juli 13, 2007, 12:47
Gespeichert unter: Job, Leben

Momentan arbeite ich unter anderem als „Kindergardencop“. Sprich als Kommandantin der Ferienjobber in unserer Firma.

Das bedeutet, dass jeden Tag zwischen 5-10 Teenies im Alter zwischen 13 – 18 Jahren machen muessen was ich sage :) Alles in allem ein grosser Spass, allerdings musste ich mir sagen lassen, ich sei zwar „sehr cool“, aber leider „out“, denn ich haette ja gar nichts von Bjoern Borg an. Aha.

Habe mir erklaeren lassen, dass jeder hollaendische markenfixierte Teenie der etwas auf sich haelt, natuerlich eine Bjoern Borg-Unterhose (wahlweise ein T-Shirt) traegt. Hab ich irgendwas verpasst? Kann mir jemand sagen, ob deutsche Teenies da auch so drauf abfahren?



Fast Feuer & Wasser
Juli 10, 2007, 6:18
Gespeichert unter: Bauruine, Hausgemeinschaft, Leben

Nachdem ich mein bescheidenes (aber gemuetliches) Zimmer wirklich lieben gelernt habe, wurde mir vor ein paar Tagen Angst und Bang um mein neues schoenes zuhause.

Eines Abends als ich schlafen ging, regnete es mal wieder aus Kuebeln, was mich nicht weiter interessierte, da dass schliesslich taeglich der Fall ist, obwohl es immerhin selbst fuer hiesige Verhaeltnisse ungeheuer heftig regnete. Ca.2 Stunden spaeter wurde ich wach, und konnte zuerst nicht einordnen warum….

Ein paar Minuten spaeter war ich bei vollem Bewusstsein und ….fassungslos! Es regnete direkt in mein Bett hinein! Regnete! Nicht tropfte….Den Rest der Nacht verbrachte ich damit diverse Plastikplanen auf meinem Bett zu plazieren und Gefaesse unter den Giebel zu halten. Hurra.

Am naechsten Morgen verliess ich arg unter Zeitdruck mein zuhause und achtete nicht weiter auf meine Kueche….

EIn paar Stunden spaeter, nach getaner Arbeit und einem Gespraech mit dem Vermieter wegen dem Wassereinbruch, kam ich nachhause und bemerkte im Treppenhaus einen seltsamen Geruch…..

In meiner Kueche traf mich fast der Schlag, mein Backofen von innen und aussen verkohlt, und ein widerlicher Gestank ueberall…

Da hatte mein toller Mitbewohner vor 14 (!) Stunden seine Pizza im Ofen vergessen und war nun aeusserst schuldbewusst dabei die Kueche zu lueften.

Welch schoener Tag.

Jetzt haben wir einen Rauchmelder und ich denke ueber ein Indoorzelt fuer mein Bett nach.



Iron Maiden VS Jazz
Juli 8, 2007, 9:29
Gespeichert unter: Ausgang, Konzerte, Musik, amsterdam

Nun bin ich zwar schon einige Wochen hier, war aber bisher auf keinem einzigen Konzert, was auch langsam schon zu Entzugserscheinungen fuehrte….

Dafuer gab es dieses Wochenende gleich mehrere musikalische Darbietungen zu bewundern, die gegensaetzlicher kaum haetten sein koennen.

Los ging es am Freitag. Kollegin Trish schleppte mich samt ihrer Freundin auf DAS Event in meinem Doerfchen Harmelen. Mir wurden 2 Bands versprochen, Bier und ausserdem meinten die Maedchen, es sei nun endlich an der Zeit ein paar Einwohner unseres Dorfes kennenzulernen und dort seien sie alle. Netterweise gab mir Simone (meine Chefin) noch mit einem wissenden Laecheln im Gesicht den Rat festes Schuhwerk anzuziehen und murmelte etwas von einem Kuhstall.

Nun, ein Kuhstall war es nicht, aber ein ziemlich grosses Zirkuszelt auf einem ziemlich grossen, ziemlich durchweichten Acker, neben ziemlich vielen Kuehen! Nach dem Betreten des Zeltes verschlug es mir kurzzeitig die Sprache: Auf der Buehne eine Iron Maiden Cover Band, die zugegeben ihre Sache gar nicht sooo schlecht machte, aber natuerlich allein optisch an Peinlichkeit kaum zu ueberbieten war. Nachdem ich feststellte, dass das Bier nur einen Euro kostete, dauerte es aber nicht lange bis ich laut „Run to the hills“mitgroehlte…..

Nach den Iron Maiden Jungs kam es allerdings richtig schlimm: Eine lustige Rock-Pop-Cover-Band. Das ging mir dann doch zu weit und wenige Minuten spaeter fand ich mich komischerweise mit den Metal-Jungs im Backstage wieder (weiss auch nicht wie das immer kommt), man reichte mir viele gekuehlte Getraenke in kleinen Glaesern und ich stellte schnell fest, dass die Jungs nix vertragen. Grosser Spass.
Inzwischen tobten ca 1000 Menschen in dem Zelt zu den Klaengen saemtlicher Partykracher, dargeboten von der lustigen Coverband….

Menschen aus meinem Dorf hab ich mal wieder nicht kennengelernt, dafuer aber ein paar von den Maiden-Jungs aus Utrecht. Und Spass hat’s tatsaechlich auch gemacht!

Samstag vormittags ging es dann per Bahn nach Amsterdam zu Captain Dan. 2 Tage Urlaub in Amsterdam, mit -klar- viel Fahrrad fahren, Waterlooplein, ein wenig Sightseeing und Shopping, Sonnen im Vondelpark, die besten Patat (mit Satesaus) in der ganzen Stadt. Endlich gab es auch mal Sonne, natuerlich mit dem Ergebnis, dass ich eine verbrannte Nase habe. Captain Dan war ein grossartigher Stadtfuehrer und schon nach kurzer Zeit hatte ich mich an die waghalsigen Fahrradmanoever der Niederlaender gewoehnt und brauste wie eine Einheimische todesmutig durch den Verkehr.

Der Samstag Abend stand ganz im Zeichen des Jazz und wir begaben uns in den Muziekgebouw. Wer mich ein wenig kennt, weiss dass ich mich nicht immer mit Jazz anfreunden kann….Diesmal kam allerdings auch ich voll auf meine Kosten und ganz besonders die erste Band ueberzeugte mich schon nach kurzer Zeit: ERIC VLOEIMANS’ GATECRASH (NL) (ich haette sogar fast eine CD gekauft…). Ja, ich war begeistert!

Zweite Band des Abends ueberzeugte mich zuerst gar nicht und dann immerhin ein wenig. Das war fuer meine Ohren „zu fuddelisch“, besonders der Saxophonist war …nix fuer mich. Die Nummer ohne ihn…fand ich deshalb wohl auch richtig gut! Alles in allem haben die Herren vom VIJAY IYER QUARTET (USA) natuerlich ihre Sache auch ziemlich gut gemacht, haben mich aber eben nicht vom Hocker gerissen.

Mein Wochenende in Amsterdam war auf jeden Fall ein voller Erfolg!

Das Dorffest: http://www.spyck.nl/index.php?id=83

Jazz: http://www.vpro.nl/programma/jazzophetdak/artikelen/35560580/

Muziekgebouw: http://www.muziekgebouw.nl/